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4. Adventsfenster vor der Agentur für Arbeit in Bocholt
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Am Mikrofon der Superintendent, Herr Annicker,
im Evangelischen Kirchenkreis
Steinfurt-Coesfeld-Borken. Desweiteren ist auch die Leiterin der Agentur für Arbeit, Frau Mann,
im Bild.
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Ansprache (Superintendent Anicker)
Liebe Anwesende, liebe Mitchristen!
Die drei Sternforscher, die wir auch als die drei Weisen oder als die drei Könige kennen, haben sich auf den Weg gemacht. Und sie haben nicht aufgegeben, bis sie am Ziel waren. Sie suchten das Kind. Für mich heißt das: Sie suchten den, der ihnen einen Weg, ein Ziel, einen Sinn . für ihr Leben geben konnte. Da waren sie hartnäckig. Und
zeigen mir, dass es wichtig ist, niemals aufzugeben .
Die Sterndeuter stehen für uns alle. Ihr Weg nach Bethlehem ist ihr Lebensweg. Unterwegs treffen wir manchmal auf Mächtige; die nicht das im Sinn
haben, was für andere gut ist. König Herodes steht für sie. Ich frage mich, ob manche hohen Herren, die mit einem Federstrich über Tausende von Arbeitsplätzen entscheiden, nicht einem anderen Stern folgen als dem Stern von Bethlehem -viel- leicht eher dem Stern eines bekannten Herstellers von edlen Automobilen. Welchen Sternen, das heißt: welchen Werten folgt diese Gesellschaft? Wie heißt das Ziel? Wo läuft das alles hin?
Als das Kind in der Krippe erwachsen geworden war, hat es uns gelehrt, dass es höhere Werte gibt als steigende Aktienkurse und immer mehr Profit. Ja, wir verstehen
wohl die wirtschaftlichen Zusammenhänge, die mit dem Stichwort »Globalisierung« verbunden sind. Aber wir
sehen auch das Leid und die Ängste der Menschen, die ihren Arbeitsplatz verloren haben, oft nach Jahren guter und sehr guter Arbeit. Betriebszugehörigkeit, Treue,
Einsatzbereitschaft - das alles ist nichts mehr wert, wenn Weltkonzerne ihre strategischen Entscheidungen treffen . Das verletzt und verbittert Menschen. Die Manager
merken und sehen das nicht, sie sind ja weit weg, ungreifbar . Aber dieses Leid muss gesehen werden, es muss jemand geben, dem das Leid tut und der mitempfindet und
Betroffene in dieser Krise begleitet. Sonst bleibt am Ende nur Verbitterung. Menschen können daran zerbrechen.
Glücklicherweise gibt es viele Unternehmer in dieser Region, die wissen, wer für sie arbeitet. Da ist der
Zusammenhang zwischen Geldverdienen und dem mitarbeiten- den Menschen noch nicht zerrissen. Arbeiten heißt Teil- haben am Leben, heißt Sinnvolles zum Gesamten der Gesellschaft beitragen, heißt gebraucht werden und eine Struktur im Leben haben, bedeutet Vertrauen in die
Zukunft. Das Recht auf Arbeit ist ein Menschenrecht und allemal ein höherer Wert als immer noch höhere Renditen.
Weihnachten steht vor der Tür. Jeden Tag wird gemessen, ob die Konsumenten auch genug kaufen, damit die Wirtschaft läuft. Doch immer mehr Menschen fühlen sich von dem kollektiven Kaufrausch ausgeschlossen. Gold, Weihrauch und Myrrhe, ein edles Öl, das die Weisen mit- brachten, stehen nur auf den Gabentischen von Gutver- dienenden. Aber die Anzahl der Menschen, wo es schon für das Nötige nicht mehr reicht, steigt.
Für diese stehen wir hier, die ihre Arbeit verloren haben oder sich um ihren Arbeitsplatz Sorgen machen. Wir
wollen sie nicht vergessen und an ihrer Seite bleiben, gerade hier an diesem Ort, wo man sich bemüht, Arbeitslosen wieder eine Perspektive zu geben. Darum ist es oft auch ein belastender Dienst, der hier getan wird, weil die
Vermittler ja vom Angebot des Arbeitsmarkts abhängig sind. Eine Arbeitsagentur kann nur das vermitteln, was die Wirtschaft bereitstellt. Für diesen Dienst wollen wir heute einmal ausdrücklich Dank sagen, und uns für jeden
Menschen freuen, für den die Vermittlung gelungen ist.
Weihnachten heißt aber auch: Wer sucht, der findet. Die Sterndeuter fanden das Kind, weil sie auf dem Weg
blieben. Weihnachten heißt: Gott lässt sich gerade in den Geringen und Ausgegrenzten finden
- dafür stehen die Hirten. Das Kind finden heißt, zur Freude und Lebenslust zurückfinden, die innen ist und nicht mit Geld zu
bezahlen. Das macht Menschen stark. Stark macht die Hoffnung, dass da einer über uns wacht, dem wir nicht egal ist, den unser Schicksal nicht kalt lässt, sondern der will, dass unser Leben gelingt, durch alle Widerstände hin- durch. Ihn wollen wir heute um Kraft bitten für die, die sich im Moment wie gelähmt fühlen. Ihn wollen wir heute um Licht bitten für die, die sich auf der Schattenseite der
Konsumgesellschaft fühlen. Ihn wollen wir heute um Hoffnung bitten für die, die den Mut verloren haben.
Und dass die weisen Sterndeuter am Ende einen anderen Weg zurückgehen an König Herodes vorbei, heißt für mich: An der Krippe verändern sich Wege, verändern sich Werte und Wertigkeiten. Hier, beim Kind in der Krippe, bringt Gott uns auf die Spur des Lebens und
lehrt uns, die Wege der Ausgrenzung zu verlassen.
Ich danke Ihnen, die Sie gekommen sind aus Solidarität mit den Menschen, die von Arbeitsplatzverlust oder Armut betroffen sind. Lassen Sie uns auf allen Ebenen nach Kräften daran mitwirken, dass möglichst alle Menschen am Arbeitsprozess beteiligt bleiben, und dass die, die von Arbeitsplatzverlust betroffen sind, nicht
allein gelassen und ausgeschlossen werden. Dazu helfe uns Gott und schenke uns allen erfüllte Feiertage mit viel Licht -und Hoffnung für die Zeit, die danach
kommt!
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