„Mit fremden Augen“ auf der Tour durch den Bezirk Recklinghausen
 


So ist der Besuch unserer drei Freunde aus Chile sicher gut überschrieben, denn nicht nur unsere Gäste bekommen viele Informationen, sondern auch wir, als Gastgeber/innen erfahren durch die Fragen und Beiträge von Lucy, Eduardo und Santiago viel Neues und sehen Bekanntes und Unbekanntes in unserer Region mit ihren „Augen“. 
Die Kommission Internationale Solidarität hat sich seit Juli intensiv mit der Planung des Besuches beschäftigt. Herausgekommen ist zum einem ein interkulturelles Seminar mit interessantem Besuchs- und Besichtigungsprogramm rund um die Themen – bürgerschaftliches Engagement, Strukturwandel und Infrastruktur in Deutschland, aber auch ein Rahmen in dem viel Begegnung stattfindet und Austausch. Damit ist ein weiterer Baustein für unsere lebendige Partnerschaft gesetzt aber auch die Inspiration und der Austausch über zukünftige Projekte.  
20.09.2010
Unsere drei Gäste sind erst einmal in Sao Paulo gestrandet. Sie haben ihren Anschlussflug verpasst und kommen erst am Dienstag. Das heißt für die Kommission Internationale Solidarität – alle Termin für heute und morgen verschieben oder mit Bedauern absagen.


21.09.2010

Mit fast 24 Stunden Verspätung kommen unsere drei Gäste aus Chile in Frankfurt an. Dort werden sie von Willi Brauckmann und Heinz Mues herzlich in Empfang genommen. Bei ihrer Ankunft im Gottfried Könzgen Haus in Haltern warten nicht nur die deutschen Seminarteilnehmer und die Mitglieder der Kommission Internationale Solidarität, sondern auch Mitglieder des Bezirksvorstandes, um unsere Gäste in Deutschland und im Bezirk Recklinghausen zu begrüßen. Ein kurzes Kennenlernen macht den Abend perfekt – 
Lucy kommt aus der Region Concepción und war direkt vom Erdbeben und dem Tsunami betroffen. Sie arbeit bei einer Versicherung. Die Bildung einer Gewerkschaft – bei uns mit dem Betriebsrat bzw. der Mitarbeitervertretung vergleichbar – ist in ihrer Firma nicht gewünscht. Aber Lucy engagiert sich dennoch für ihre Kolleginnen und Kollegen und deren Anliegen. Sie war zuerst in der Jugendarbeit engagiert und hat dort Mitglieder der MOAC kennengelernt. Für sie ist vor allem das soziale Handeln aus dem Evangelium wichtig. Als Beispiel führt sie ein Projekt von mehreren MOAC Mitgliedern an, die an der Universität ein theologisches Studium begonnen haben und ihr Wissen weiter an die Mitglieder der MOAC vermittelt haben. Sie ist in einer Gruppe aktiv, die Kontakt zum Bistum hält. Ihre Freizeit ist die MOAC und sie scheut auch keine nächtlichen Busfahrten um an den Treffen der nationalen Leitung in Santiago teilzunehmen.
Eduardo und Santiago leben in Vororten von Santiago de Chile. 
Eduardo engagiert sich auch schon lange in der Kirche und hier sowohl in der Gemeindearbeit wie auch in der pastoralen Arbeit. Er war ebenfalls von der Verbindung soziales Engagement und des Evangeliums in der MOAC begeistert. In seiner Firma ist er seit 1996 Vertreter der Gewerkschaft. Er ist der Schatzmeister der Bewegung und zurzeit sehr mit dem Wiederaufbau der Gebäude und der Strukturen der MOAC beschäftigt. 
Santiago ist stolz darauf seit über 20 Jahren aktiv in der MOAC zu sein. Er ist Leiter einer Nachbarschaft – vergleichbar mit einer politischen Einrichtung für einen Bezirk oder Stadtteil. Sie organisieren unter anderem Nachhilfe für Kinder und sind Treffpunkt für die Kommunikation und Koordination in der Nachbarschaft. In seiner Gemeinde ist er unter anderem an einem Projekt für Eltern beteiligt. Um „Apostel“ für ihre Kinder zu sein bekommen sie hier das notwendige Wissen und Rückhalt.
Auch Santiago ist Leiter der Gewerkschaft in seinem Betrieb. 
Alle drei sind schon lange in der MOAC aktiv. 


22.09.2010

Heute geht es dann so richtig los. Morgens steht erst einmal Orientierung für unsere Gäste auf dem Programm. Deutschland, der Kreis Recklinghausen und natürlich die Strukturen der KAB mit ihren Schwerpunkten werden unseren Gästen vorgestellt. Im Gegenzug erfahren wir mehr über die Arbeit unserer drei Gäste, der Situation in den Betrieben und der Arbeit der MOAC.

Nachmittags steht die erste Besichtung auf dem Programm. Erwartet werden wir von Mitglieder des Stadtverbandes Marl und Mitarbeitern des Zentralen Wertstoffhofes in Marl. Hier zeigt sich, dass nicht nur unsere Gäste viel Neues erfahren, sondern auch wir Gastgeber. Die Vorstellung der Aufgaben des Betriebshofes und hier vor allem die Mülltrennung und die Arbeit des Wertstoffhofes sind nicht nur für unsere Gäste, sondern auch für uns Gastgeber interessant und aufschlussreich. Ein Rundgang über das Gelände und hier vor allem der Wertstoffhof schließen diesen Programmpunkt informativ ab. Ein Besuch im Rathaus von Marl gibt noch mal einen guten rundum Blick über die Stadt. 

Vom Stadtverband Marl werden wir herzlich empfangen. Lucy ist im Stadtverband keine Unbekannte und so können Grüße und Informationen ausgetauscht werden. Der Abend findet im Gebäude des Erzschachtes statt, und wir bekommen eine exklusive Führung durch das Gebäude und über das Gelände. Lucy, Eduardo und Santiago berichten über das Erdbeben und den Tsunami und die Folgen für die Menschen. 

 

23.09.2010
Heute stehen der Schleusenpark in Datteln und die HVG – Haus Vogelsang GmbH in Datteln auf dem Programm. Im Schleusenpark lernen wir mehr über das Kanalsystem in Deutschland. Kanäle kennt man in Chile gar nicht. Lucy fragt nach, ob unsere Kanäle mit dem Panama-Kanal vergleichbar sind. Da können unsere Kanäle natürlich nicht mit halten.


Im Haus Vogelsang werden wir vom Geschäftsführer empfangen und in die Strukturen und die Arbeitsweise der Firma eingeführt. Die Projekte des Hauses und die Anlage selber machen nicht nur auf unsere drei großen Eindruck. Ein Spaziergang zur Schleuse kommt gerade zur richtigen Zeit, denn dort werden gerade Binnenfrachter geschleust. So wird aus der Theorie des Vormittags gleich die anschauliche Praxis.
 


Im Stadtverband Datteln zu Gast haben wir noch mal Gelegenheit mehr über die derzeitige Situation in Chile zu erfahren. Zurzeit richtet sich der Blick der Medien vor allem auf das Bergwerksunglück in der Atacama Wüste. Hier sind 33 Bergleute verschüttet und warten auf ihre Rettung. Das Erdebene, der Tsunami und die Folgen für die Region Maule (105 km nordöstlich von Concepción) oder der Hungerstreik der Mapuche im Stadtgefängnis von Temuco sind fast aus den Nachrichten verschwunden.
 


24.09.2010

„Wo ist denn hier der Eingang und wie kommen wir rein?“ Diese Frage stellten wir uns am Freitagmorgen vor dem Generalvikariat in Münster. Der frisch geweihte Weihbischof Dieter Geerlings war hier unser Gastgeber und begrüßte uns auch im Namen des Bischofs. Auch hier gab es wieder viel Gesprächsstoff über unsere Gäste und die Situation in Chile. Beeindruckt zeigte sich der Bischof von dem Engagement unserer drei Freunde und die Ausrichtung ihrer Arbeit und ihres Lebens auf das Evangelium. Er machte auch noch mal deutlich, dass diese Begegnung ein großer Gewinn ist, denn in der Katholischen Kirche in Deutschland wird allzu oft vergessen, dass soziales Engagement und das Evangelium eins sind. 

Bei strömenden Regen ging es dann Richtung Dinklage. Beim Mittagessen haben wir dann gelernt, dass so manches Gericht international ist und Spagetti Bolognese einfach Spagetti Bolognesa heißt. Ein weiterer Gewinn sind auf jeden Fall die Spanischen und Deutschen Lektionen sei es für Anfänger oder Fortgeschrittene. Bei diesem Mittagessen mussten Willi, Barbara und ich auf unsere Dolmetscher verzichten und merkten schnell, dass diese unverzichtbar für die Kommunikation sind. Trini und Anna-Christina muss man hier auf jeden Fall einen herzlichen Dank aussprechen.

In Dinklage wurden unsere Gäste und Anna-Christina von der Familie Mäurer aufgenommen. Beide sprechen spanisch, Frau Mäurer kommt aus Honduras, und so zeigt sich, dass die Solidarität und Gastfreundschaft in der KAB ein hohes Gut ist. 
Neben der Teilnahme am Programm des Diözesantages konnten Lucy, Eduardo und Santiago auch ein wenig „Historie“ schnuppern. Im Museumsdorf Cloppenburg waren vor allem die Betten ein Highlight und Lucy war ganz erstaunt, dass unsere Vorfahren a) kleiner waren und b) im Sitzen geschlafen haben – was, wenn man es recht bedenkt auch wirklich erstaunlich ist.
Am Sonntag ging es dann zurück in den Bezirk Recklinghausen und beim gemeinsamen Abendessen war es fast so, als wenn man sich regelmäßig sieht und nicht nur alle paar Jahre oder zum ersten Mal.
 
  

Besuch beim Wertstoffhof in Marl


Gelegenheit unserer Gäste aus Chile persönlich kennen zu lernen sind:

28.09.2010, 19.00 Uhr Stadtverband Dorsten, KAB St. Josef in Hl. Familie, 
                                  Bottrop-Grafenwald, Prozessionsweg 11
29.09.2010, 18.00 Uhr Stadtverband Recklinghausen, St. Michael, Michaelstr. 1

Besondere Höhepunkte des Besuchs, zu dem wir alle Interessenten einladen, sind:

01.10.2010, 19.00 Uhr Benefizkonzert zugunsten der Erdbebengeschädigten in Chile
                                 in der St.-Paulus-Kirche in Recklinghausen 

03.10.2010, 11.00 Uhr Gottesdienst mit Hans Sanders, Diözesanpräses a. D.
                                 in der Kapelle im Könzgen-Haus in Haltern

03.10.2010, 19.00 Uhr Abschlussabend im Könzgen-Haus, Haltern